14. Februar 2010 | GEfühlSdiNGE
WiE MEiNE SEElE SiCh dERARt hEftIG VERStRöMt – AQUiSEtOOl LiEbESbRiEf
Liebe ist eine Unwahrscheinlichkeit, weiß der weltgewandte Systemtheoretiker zu sagen. Darum hat die Natur so ihre billigen Tricks, die Liebe wahrscheinlicher oder überhaupt möglich zu machen: zum Beispiel das Pfauenrad oder der Balztanz. Und der Mensch tut es ihr nach – der schlauen Natur: Männer werden Astronauten oder lernen Piano spielen, Frauen tragen hochhackige Schuhe oder legen Make-up auf. Doch wie jeder aus eigener Erfahrung weiß: Nicht immer hilft es, Astronaut zu werden oder hochhackige Schuhe zu tragen. Doch was hilft dann?
In der Tat gibt es einen Weg, sich aus dem Sumpf der Ratlosigkeit zu ziehen. Es gilt, das gute alte Hausmedium Liebesbrief aufzupolieren, um es im Glorienschein der Gegenwart aufblitzen zu lassen. Doch halt, bevor der Berufene nun überstürzt zum Federkiel greift, möge er über ein, zwei diffizile Angelegenheiten nachdenken. Es gibt nämlich Regeln. Es gibt die Regel, dass der erste Gedanke meist der richtige ist. Trotzdem ist ein: „Hallo Ute, ich find dich toll.“ nicht annähernd angemessen. Vielmehr ist es angebracht, den Gedanken in der Art eines wahren Künstlers zu formen, zu schleifen, zu drechseln. Man schreibt dann besser: „Liebe Signora, in der wunderbaren Architektur des Universums stand bereits seit dem ersten Tag der Schöpfung geschrieben, dass ich Euch begegnen und lieben würde.“ Das stammt übrigens von Eco und man kann es getrost so übernehmen, wenn man selber gerade keine Zeit dafür hat, ein wahrer Künstler zu sein.
Pah, das ist ja bloß abgeschrieben, mag jetzt manch einer denken. Das stimmt natürlich. Aber den Unkenrufern sei nun eine Lektion fürs Leben ans Herz gelegt: Lieber-gut-abschreiben-als-schlecht-selber-ausdenken. Ja, tatsächlich geht es hier um einen Aufruf zum Klauen, zum Diebstahl, zum Nicht-selber-schreiben. Und für diejenigen Leser, die es jetzt noch wagen, weiter zu lesen: Es kommt noch dicker. Ganz Ausgeschlafene machen sich nämlich die Mühe, von mehr als nur einem Autor zu klauen. Denn dann ist es nicht mehr Klauen, sondern Sampling, Kollage, postmodernes Zitat. Bekanntlich unterscheidet das die Literatur zum Beispiel vom Banküberfall.
Drum mag sich nun ein jeder aufgerufen fühlen, mindestens einen Liebesbrief zu schreiben, zum Beispiel an Anna Karina oder an einen Baum.
23. Juni 2008 | GEhiRNbRAUSE
EXtREM GüNStiGE SPRAChREiSEN!
Es gibt nach wie vor keinen einheitlichen Standard im Kommunikationswesen der Menschheit – bloß ganz, ganz viele Insellösungen! Aufgrund dieses Malus muss man zum Beispiel den ein oder anderen Monat warten, bis ein pico bello übersetzter Takeshi Kitano in den heimischen Lichtspielhäusern eintrudelt. Oder vielleicht noch deprimierender: Man weiß nicht wie eine schöne Tuareg anzusprechen ist, wegen mangelnder Kenntnis der Landessprache. Die Konsequenz: Man muss entsprechend unverliebt wieder nach Hause fahren. Alles schon vorgekommen!
Fühlt sich Ottonormalbürger durch das Vorhandensein von Fremdsprachen also oftmals behindert, so ist dem sogenannten Pseudo-Intellektuellen sehr daran gelegen, ihr Erlernen zum Distinktionsgewinn zu nutzen. Sei es nun Latein, Französisch, Englisch oder auch Sanskrit: das Beherrschen möglichst vieler Sprachen verleiht ihm ein verführerisches Gewicht im Verkehr – glaubt er! Drum öffnet er sich auch andauernd der bilateralen Fremde, hebt Sprachschätze kistenweise und hockt total selbstzufrieden im quasi privat-babylonischen Elfenbeinturm. Von dort dünkelt er dann wort- und fremdwortreich auf Ottonormalvolk herab! Doch dabei hat er eins vergessen – der Pseudo-Intellektuelle, nämlich worum es eigentlich geht! Ist es denn nicht am wichtigsten, Erkenntnisse in Machtsphären zu tragen, sprich: zum Bildzeitungsleser hin?
Hey! Ein echter Großgeist verrät sich insbesondere dadurch, dass er wirklich mit jedem in seiner Sprache redet – auch Asi-Sprache! Dazu verlässt man ganz einfach regelmäßig das mit grauer Theorie verstopfte Inzest-Milieu und macht Vokabel-Sit-Ups.
Wie das geht? Na indem man mal hier ein Ghetto-Kid und mal dort den gemeinen Eckpintenbesucher belauscht, eben den sogenannten einfachen oder kleinen Mann. Nur diese stete Routine macht es nämlich, dass eine angenehme, flexibel dosierbare Wurstigkeit die eigene Sprache durchschimmert und der zappendustere Elfenbeinturm zum Leuchtturm wird! Doch es kommt noch dicker: Man hat nun möglicherweise auch bei einer schönen Tuareg bessere Karten. Vorausgesetzt sie gehört zu der Sorte einfacher oder kleiner Mann.
MOXiE-ACtiON
REttEt diE WAhlEN.
Wahlwerbung besteht aus leeren Botschaften und austauschbaren Floskeln. Darum weiß heute niemand mehr, wie sich die Parteien eigentlich von einander unterscheiden. Das muss sich ändern >>>.
fiGht fOR thE tREES!
Menschen kennen heute mehr Namen von Marken als Namen von Bäumen, Blumen und Vögeln. Das kann nicht gut sein und bedarf der Korrektur >>>.
PROdUZiERE liEbE!
Da ist zu wenig Liebe zwischen den Menschen. Es ist höchste Zeit für mehr Zärtlichkeit >>>.
klEbE, WAS dU dENkSt
Hässliche Häuser, schlechte, unmenschliche Architektur findet man in jeder Stadt. Doch das scheint niemanden zu stören. Uns aber >>>.
´NE MiO MAl BiO
Die Inflation der Bio-Produkte untergräbt die an sich lobenswerte Bio-Idee. Alles ist “Bio” heutzutage, aber nur weil es sich so besser verkauft. Damit muss Schluss sein >>>.
dAilY ARt
Kunst versteckt sich oft hinter der elefantenhautgrauen Fratze des Alltäglichen. Mache sie allen Menschen zugänglich >>>.
GEtMOXiE
MOXiE-tV
MOXiEMORPhOSE
MOXiEMANiA






